Das Phänomen FCN
CLUB „Aura einer Legende": Der Film zum 125. Geburtstag ist mehr als eine berührende Zeitreise.
VON WOLFGANG LAAR Samstag, 3. Mai 2025
NÜRNBERG - Warum der Club? Warum lassen sich so viele Menschen auf eine lebenslange, nicht selten hoch-emotionale und deshalb komplizierte Beziehung mit dem 1. FC Nürnberg ein?
Einem Verein, dessen erfolgreichste Zeiten Jahrzehnte zurückliegen und der trotzdem mitreißen kann, selbst in krachenden Nieder-lagen? Weil dieser Verein vor allem Extreme besonders gut kann,
mittlerweile seit 125 Jahren.
Der Film „Aura einer Legende" der Aura Film GmbH, ab Sonntag und dem offiziellen Jubiläum als Media-book (inklusive DVD und Blu-ray) zunächst im Max-Morlock-Stadion erhältlich und ab Montag im
Cinecitta zu sehen, formuliert das große Rätsel gleich am Anfang. Noch bevor kurz darauf den späteren Vorstand Christoph Heinz die Idee umtreibt, in Nürnberg den ersten Fußball-Club der Stadt zu
gründen.
„Die Aura, die den 1. FC Nürnberg umweht, ist immer spürbar, aber kaum greifbar",heißt es in einer frühen Einblendung, über zwei Stunden später aber von insgesamt 32 Interviewpartnerinnen und
-partnern zumindest ansatzweise erörtert. Dafür gab's nach der ausverkauften Premiere am Mittwoch von den über 500 Gästen Standing Ovations.
Nicht nur Vorstände, Ultras und Meisterspieler dürfen sich darin versuchen, das Phänomen zu ergründen. In zeitlich loser Abfolge werden 125 Jahre 1. FC Nürnberg ausgesprochen kurzweilig nacherzählt.
Ohne Anspruch auf Vollständigkeit, sonst würde der Streifen von Christian Mössner, Bernd Siegler, Alexander Diezinger, Matthias Hunger, Bernhard Weise und Maximilian von Stromberg wahrscheinlich drei
Monate dauern.
Zweieinhalb Jahre haben sie für ihr Werk gebraucht und etliche Gespräche für die Ewigkeit geführt. Damit im Auftrag des 1. FC Nürnberg auch ein Zeitzeugen-Archiv geschaffen, aus dem möglicherweise
auch noch zum 250. Gründungsfest zitiert wird. „Aura einer Legende" möchte nicht einfach sein, sondern den komplexen, vielschichtigen Club aus möglichst vielen Blickwinkeln dar-stellen.
Wer nicht mehr ohne den Vizerekordmeister und zugleich Rekordabsteiger kann, wer seiner Magie erlegen ist, wird mitunter tief berührt. Wenn Finn Jeltsch an seinen Großvater erinnert oder Karina
Büttner (Ultras Nürnberg) an das tragische Schicksal der kleinen Lina, wenn Ex-Kapitänin Jessica May mit Tränen in den Augen nochmals ihre Verabschiedung durchleidet.
Ein Club zum gemeinsamen Weinen und Lachen ist dieser 1. FC Nürnberg, nie langweilig, über Generationen hinweg verbindend, omnipräsent im Leben zahlloser Menschen.
„Aura einer Legende" visualisiert zudem mit 25 Geschichten etwa zur USA-Reise 1953, ,warum der Club etwas Besonderes, Einzigartiges ist", wie nicht nur die Drama-Queen von sich behauptet.
Etwas Besonderes, Einzigartiges sind auch die 127 Minuten geworden, eine wunderschöne Reise in die Vergangenheit, zurück bis zur Gründungsversammlung am Freitag, den 4. Mai 1900 in der Burenhütte.
Als noch niemand ahnen konnte, dass ein erfolgloser Trainer eines Tages mit einem Schuhkarton voller Geld abgefunden werden sollte.
„Fahren Sie gleich über alle Berge", riet ihm der damalige Präsident Michael A. Roth; der Club, manchmal eine Zumutung, oft aber einfach liebenswert. Dank der 18 jungen Männer in der Burenhütte,
damals, am
4. Mai 1900.
Auch Marek Mintal hätte etwas gefehlt. „Der Club", sagt der ehemalige Publikumsliebling im Film, „war für mich einfach alles"