Ballesterer Magazin

125 Jahre in 127 Minuten

Die Dokumentation zum Jubiläum des 1. FC Nürnberg ist anders als andere Fußballfilme. Sie verzichtet auf eine Chronologie - und verlangt ihrer Zielgruppe einiges ab.

„Fufballfilme verfallen oft in Plattitüden, um allen zu gefallen."

Es gibt wohl wenige Vereine, die nicht von sich behaupten würden, etwas Besonderes zu sein. Ob es auf jeden wirklich zutrifft, darüber ließe sich trefflich streiten. Dass es sich beim 1. Fußball-Club Nürnberg um einen mit einer speziellen Aura handelt, soll der kürzlich erschienene Jubiläumsfilm zeigen. Die Filmcrew rund um Filmemacher Christian Mössner und Klubhistoriker Bernd Siegler spricht mit Protagonisten der Klubgeschichte: Meisterspieler, Pokalhelden, Fans und Funktionären. Ergänzt werden die Interviews mit Reenactments, Gesangseinlagen und vorgetragenen Gedichten.
Mit historischen Aufnahmen vom Spielfeld gehen die Macher sparsam um, das sportliche Geschehen soll nicht im Mittelpunkt stehen.


„Aura einer Legende" ist ein Film geworden, der in die Seele des Vereins blicken lässt und klarmacht, dass der einstige Rekordmeister tatsächlich kein Verein wie jeder andere ist. Für Menschen, die bisher wenig mit dem 1. FCN zu tun hatten, weist der Film in 127 Minuten Laufzeit so manche Länge auf. Der absichtliche Verzicht auf klassische Elemente des Dokumentarfilms wie eine Chronologie und eine durchgehenden Erzählstimme machen es manchmal schwierig, der Geschichte zu folgen. Dennoch schafft es der Film, das Interesse an weiteren Geschichten und Hintergrundinformationen zu wecken.Ein Film für alle „Glubb"-Fans und die, die es noch werden wollen.


ballesterer: Wie ist Ihnen die Idee zum Film gekommen?
Christian Mössner: Ich bin 2023 mit Bernd Siegler zusammengesessen, und da ist diese Idee entstanden. Wir haben dann relativ schnell ein Kernteam von sechs Personen zusammengestellt. Wichtig war, dass wir uns ergänzen und gegenseitig ersetzen können, weil wir sechs ehrenamtlich an dem Film gearbeitet und andere Verpflichtungen gehabt haben. Im Team waren wir uns schnell einig, dass wir keine klassische Fußballdokumentation machen wollen, in der chronologisch die gesamte Geschichte nacherzählt wird. Stattdessen wollten wir ein Gefühl vermitteln, was der Verein für Fans, Spieler und Funktionäre bedeutet und was ihn so speziell macht.


Welche Zielgruppe wollten Sie erreichen?
Fußballfilme verfallen oft in Plattitüden, um allen zu gefallen. Wir sind in die andere Richtung gegangen und haben in erster Linie an Nürnberg-Fans und fußball-historisch Interessierte gedacht. Deswegen gibt es auch keine große Vermarktungs-kampagne, der Film wird im Vereinsshop verkauft. Wir verlangen den Leuten auch etwas ab, zwei Stunden Länge brauchen ein hohes Maß an Aufmerksamkeit, und wenn man die Vereinsgeschichte nicht so gut kennt, kann das Schauen schwierig werden. Unser Zugang war es aber, einen Film zu machen, der uns selbst gefällt und bei dem auch wir hier und da tiefer in die Geschichte einsteigen.


Was war dabei die größte Schwierigkeit?
Wir haben die 125 Jahre auf 25
Geschichten reduziert. Das sind sehr viele und gleichzeitig sehr wenige. Es gäbe genug weitere Geschichten, die wir erzählen hätten können, wir haben auch genug Aufnahmen dafür gemacht, aber zwei Stunden Laufzeit sind ohnehin schon sehr viel. Dieses Zusatzmaterial wird in Zukunft bei verschiedenen Projekten sicher noch sehr hilfreich sein.
Was war Ihr schönstes Erlebnis bei der Arbeit am Film?
Besonders berührt hat mich unser Gespräch mit Heini Müller, der 1961 mit dem „Glubb" Meister geworden ist. Er ist eine Vereinslegende. Bernd und ich haben vor etwa fünf Jahren das Interview mit ihm geführt. Damals haben wir ihm gesagt, dass die Aufnahmen nicht nur für ein Porträt über ihn sind, sondern auch für den Jubilä-umsfilm. Er hat gesagt, dass er das wohl nicht mehr erleben wird. Aber er ist mit 91 Jahren sogar noch zur Premiere des Films gekommen. Das ist einfach wunderschön.
(Laurin Rosenberg)

   

 

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